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Authentisch sein

Die Bibelstelle Lukas 15,32 – ausgelegt von Roland Bunde.

Der Vater sprach zum älteren Sohn: Feiern muss man jetzt und sich freuen, denn dieser dein Bruder war tot und ist lebendig geworden, war verloren und ist gefunden worden.

Lukas 15,32

Heute geht es um eine Einladung. Es wird gefeiert. Die Freude ist groß. In der gleichnishaften Geschichte, die Jesus erzählt, freut sich der Vater darüber, dass sein jüngerer Sohn nach Hause zurückgekehrt ist. Es ist vermutlich das bekannteste Gleichnis im Neuen Testament. Das sogenannte Gleichnis vom verlorenen Sohn. Was aber ist mit dem älteren Bruder? Auch er ist eingeladen. Doch so richtig mitfreuen kann er sich nicht. Der Vater sagt zu seinem älteren Sohn: Feiern muss man jetzt und sich freuen. Denn dieser dein Bruder war tot und ist lebendig geworden, war verloren und ist gefunden worden. (Lukas 15,32) Tja, wird der ältere Sohn der Einladung folgen und mitfeiern? Und wenn ja, wird er sich mitfreuen können? Es bleibt offen, wie der ältere Sohn reagiert. Was macht es ihm so schwer? 

Da hat sich ganz offensichtlich etwas angestaut in ihm. Frust. Enttäuschung. Ärger. Neid. Er fühlt sich ungerecht behandelt. "Ich habe all die Jahre für dich geschuftet", hält er dem Vater vor, "und du hast mir nie eine Ziege gegeben, damit ich mit meinen Freunden feiern konnte. Aber dieser dein Sohn, der dein Vermögen mit Huren durchgebracht hat, für den schlachtest du das Mastkalb!"

Ich kenne das auch: All die Jahre habe ich mich abgemüht… auf mich war immer Verlass… jeden Sonntag war ich im Gottesdienst und auch sonst habe ich viel Zeit und Kraft in die Gemeindearbeit investiert! Und dann sehe ich, wie andere, die vielleicht nicht so vorbildlich waren, scheinbar leichter durchs Leben gehen und gefühlt glücklicher sind. Vielleicht verstehe ich Gott und die Welt nicht mehr! Mit der Zeit geht die Freude verloren – die Freude an der Gemeinde, die Freude am Glauben oder gar die Freude am Leben. Das Leben als Christ – mehr Pflichtbewusstsein als Lebensfreude? Das kann es doch nicht sein?!

Der ältere Sohn hat offensichtlich den Blick für die Liebe seines Vaters verloren. Das ist traurig. Er erkennt nicht, dass der Vater ihm sein ganzes Leben lang alles gegeben hat, was er braucht. Der Vater sagt: "Mein Kind, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, ist dein." Mehr geht nicht. Alles ist Gnade. Ich habe Gott wirklich alles zu verdanken. Das weiß ich ja. Warum fällt es mir trotzdem oft so schwer, mich zu freuen? Vielleicht, weil ich mich über jemand ärgere? Vielleicht weil ich neidisch bin auf andere? Vielleicht, weil sich etwas angestaut hat in meinem Herzen? Das Gleichnis macht mich nachdenklich.

Mir wird klar, dass der ältere Bruder nicht einfach in den Festsaal eintreten und so tun kann, als wäre nichts passiert. Ein Lächeln aufzusetzen, würde alles nur noch schlimmer machen. Was also tun? Authentisch sein. Das scheint mir wichtig zu sein. Vor Gott, unserem Vater im Himmel, ganz offen und ehrlich auszusprechen, was sich da alles so an Ärger angestaut hat im Innersten. Einfach mal alles rauslassen. Den ganzen Frust. Einfach mal klagen oder auch weinen.

Vielleicht ist da dieses Gefühl, selbst zu kurz gekommen zu sein. Dann fällt es schwer, sich mit anderen zu freuen. Umso wichtiger ist es, umzukehren und in die offenen Arme des Vaters zu laufen. Ich stelle mir vor, dass der Vater auch seinen älteren Sohn in die Arme schließt und er sich wieder lebendig fühlt. Sein Frust weicht. Freude erfüllt sein Herz, weil er sich in diesem Moment nicht mit anderen vergleicht, sondern sich angenommen und geliebt weiß. Klar, dass er dann auch mitfeiert.

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Anstoß

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Kommentare (1)

Sabine /

Ein wunderbares Wort zum Tag. DANKE. Es hat mein Herz sehr berührt……