30.07.2019 / Serviceartikel

Was tun, wenn eine Freundschaft zerbricht?

Gedanken zum heutigen Internationalen Tag der Freundschaft.

Sie begleiten uns oft ein Leben lang, für manche sind sie sogar die bessere Familie: Freunde. Wir fahren mit ihnen in den Urlaub, verbringen gemeinsam den Feierabend oder unterstützen uns bei Renovierungsarbeiten. Doch nicht immer erleben wir die Beziehung zu Freunden als Bereicherung. Ungeklärte Konflikte oder Enttäuschungen führen dazu, dass auch die besten Freundschaften zerbrechen. Am schlimmsten ist es, wenn man feststellen muss, dass man selbst das Ende der Beziehung verursacht hat.

Wenn eine Freundschaft zerbricht und ich daran schuld bin

Erst neulich fiel mir beim Aufräumen eine Karte in die Hand, die ich mal von einer Freundin geschenkt bekommen habe. „Es heißt Freundschaft, weil man mit Freunden alles schafft.“ – steht auf der Vorderseite. Der Spruch löst in mir ein Wechselbad der Gefühle aus. Einerseits überkommt mich eine tiefe Dankbarkeit für all die unvergesslichen Momente, die ich gemeinsam mit Freunden erleben durfte. Auf der anderen Seite erinnert mich die Karte aber auch an all die Situationen, in denen ich versagt habe und es eben nicht geschafft habe, die Freundschaft zu einer Person aufrechtzuerhalten.

Gute Freunde sind unbezahlbar, doch auch die beste Freundschaft kann zerbrechen.

Freundschaften können ganz ohne Vorwarnung abrupt zu Ende sein. Plötzlich distanziert sich die eine Person von der anderen und meidet den Kontakt. Im Rückblick muss ich erschreckenderweise feststellen, dass ich selbst schon öfters diejenige war, die sich auf einmal zurückgezogen hat. Wurde es mir zu eng? Konnte ich die Nähe nicht ausstehen?

Lange Zeit konnte ich den Auslöser für meinen Fluchtinstinkt nicht definieren. Mittlerweile weiß ich, dass ich mir mit meinen eigenen Ansprüchen im Weg stehe. Es ist der Anspruch, alles für diese eine Freundin zu sein, ihr immer zu gefallen und gut zu tun. Wenn das nicht gegeben ist oder eine andere Person für die Freundin wichtiger wird, tendiere ich dazu, mich zu distanzieren, um das Gefühl des Scheiterns zu umgehen.

Ich habe in der Vergangenheit womöglich mehr Menschen mit diesem egoistischen Schachzug verletzt, als es mir bewusst ist. Das ist sehr schmerzhaft. Heute erkenne ich immer öfter, wenn ich kurz davor bin wieder in alte Muster zu fallen und kann frühzeitig wieder umkehren.

Wenn eine Freundschaft schmerzhaft zu Ende geht, ist es leichter, die Schuld bei dem Freund zu suchen, anstatt sich auf die eigenen Fehler zu fokussieren.

Ich glaube, wir alle kennen solche zwischenmenschlichen Probleme, die eine Beziehung gefährden können. Je früher wir uns mit dem beschäftigen, wie wir sind und wie wir ticken – so unangenehm es manchmal auch sein mag – desto mehr können wir Freunde vor Verletzungen bewahren und Freundschaften erhalten.

Was bringst du in eine Freundschaft mit?

Du hast vielleicht noch nie jemanden sitzen gelassen, aber steckst unter Umständen gerade in einer anderen Art von Freundschaftskonflikt. Dann möchte ich dich an dieser Stelle dazu motivieren, den Blick weg von den möglichen Fehlern deiner Freunde zu werfen und hin zu dir als Freund.

Was bringst du in die Freundschaft (mit) ein? Kämpfst du womöglich mit zu hohen Idealen oder Vorstellungen, vielleicht aber auch mit Neid, Vergleich oder der Angst, nicht zu genügen? Welche Vorerfahrungen, Zweifel oder Vorbehalte stehen unter Umständen zwischen dir und einem Freund? Gibt es eine Möglichkeit, wie du die Mauer abbauen oder die Distanz wieder aufheben kannst?

In meinem Fall ist der erste Schritt offensichtlich: Ich muss die eigenen Ansprüche an mich selbst als Freundin herunterschrauben und darf nicht vor eigenen Fehler wegzulaufen.

Es nicht zu schaffen, ist in Freundschaften erlaubt

„Es heißt Freundschaft, weil man mit Freunden alles schafft.“ – Hoffentlich kann ich irgendwann beim Anblick von Postkarten mit Freundschaftssprüchen schmunzeln, weil ich weiß, dass Freundschaft mehr ist als ein kitschiger Spruch. Denn eins habe ich in dem letzten Jahr gelernt:

Freundschaft heißt, sich gegenseitig anzunehmen – mit genau diesen Fehlern und dem Nicht-Schaffen.

Autor/-in: Annabel Breitkreuz

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