01.04.2021 / Anstoß - Gedanken zum Tag

Gott schweigt nicht zum Leid in der Welt

Warum willst du mit Gott hadern, weil er auf Menschenworte nicht Antwort gibt? Denn auf eine Weise redet Gott und auf eine zweite; nur beachtet man’s nicht.

Hiob 33,13–14

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Es ist eine der großen Menschheitsfragen: Wenn es denn einen Gott gibt, warum schweigt er dann zu so viel Unheil in der Welt?

Eine Antwort findet sich in der Bibel im Buch Hiob: Da arbeiten sich drei Freunde eines Schwerkranken an dieser Frage ab – und scheitern kläglich. Schließlich ergreift ein ganz junger Mann namens Elihu das Wort. Er kann nicht mit großer Lebenserfahrung prahlen. Aber er sagt etwas sehr Bedenkenswertes:

„Warum willst du mit Gott hadern, weil er auf Menschenworte nicht Antwort gibt? Denn auf eine Weise redet Gott und auf eine zweite; nur beachtet man’s nicht.“

Nein, Gott schweigt nicht zu all dem Leid in der Welt. Aber das Leid kann uns die Ohren für Gottes Reden verstopfen. Weil wir der Meinung sind: Er muss auf eine ganze bestimmte Art und Weise darauf reagieren.

Und dann braucht es Zeit und Geduld. Und auf einmal wächst die zarte Erkenntnis: Obwohl ich es nicht bis ins Letzte verstehe, ist doch alles in Gottes Liebe eingebettet. Das Problem ist die Perspektive: Ich kann nie an die Stelle des allmächtigen Schöpfers treten. Ich gewinne in dieser Welt nie den Überblick über seine Pläne, die einfach gut sind.

Ich gebe zu: Das ist keine Erkenntnis, die man ruck-zuck wie ein Kaugummi aus dem Automaten zieht. Es ist eher eine Erfahrung. Und die haben schon viele Menschen neben Elihu machen können. Ich übrigens auch.

Autor/-in: Oliver Jeske