02.12.2009 / Wort zum Tag

1. Korinther 6,20

Ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit eurem Leibe.

1. Korinther 6,20

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Ist der menschliche Körper nicht großartig? Ich gehe gerne ins Theater, um mir eine Tanzperformance anzuschauen. Ich staune dort immer, wozu diese Tänzer fähig sind. Wie schön und wie geschmeidig sie sich bewegen, und was sie alles ohne Worte, nur mit ihrem Körper, ausdrücken können! Gott hat mit dem menschlichen Körper ein echtes Wunderwerk geschaffen, und das wird selten so deutlich wie auf einer Tanzbühne.

Ich tanze auch selbst gerne mit meinen Freunden und Freundinnen, und ich mag es zum Beispiel auch, sie zur Begrüßung zu umarmen. Ich telefoniere und schreibe meinen Freunden auch oft, aber sie leibhaftig vor mir zu haben, ist doch noch etwas ganz anderes. Meine Freunde und ich, wir haben nun nicht ganz so makellose Körper wie professionelle Tänzer, aber das ist so egal. Der eine hat einen lustigen Gang, an dem man ihn immer schon von weitem erkennt. Eine andere macht immer diese ausladenden Handbewegungen, wenn sie etwas erklärt. Der nächste hat so viele Wirbel in seinen Haaren, dass ihm die immer in alle Richtungen abstehen, der nächste hat überhaupt keine Haare mehr. Ich freue mich immer, wenn ich diese kleinen Dinge wahrnehme. Das mag ich an meinen Freunden.

Der Körper eines Menschen ist nicht bloß eine unwichtige Hülle für die Seele. Nein, mein Körper gehört ganz wesentlich zu meiner Persönlichkeit. Mein Körper, das bin ich, um es zugespitzt zu formulieren.

Und deshalb ist es auch nicht egal, was ich mit meinem Körper anstelle. Was ich esse, was ich trinke, wie ich ihn behandle. Und es ist auch nicht egal, was ich andere Menschen mit meinem Körper anstellen lasse. Das ist mein von Gott geschenkter, kostbarer Körper.

Für die Menschen damals in Korinth, an die Paulus hier schreibt, war das ein ganz neuer Gedanke. Für die alten Griechen war der Körper tatsächlich nur so etwas wie ein wertloser Behälter für die Seele. Und deshalb war es für die Korinther auch ziemlich egal, was sie mit ihrem Körper anstellten. Für sie war es egal, wer mit wem ins Bett ging und wie oft man sich mit wie vielen Prostituierten vergnügt. Sie dachten, dass die Seele von dem allem unberührt bleibt, was der Körper so treibt. Aber in der Bibel wird das ganz anders gesehen: Sex ist nicht nur eine rein körperliche Sache, sondern hier ist der ganze Mensch samt Körper und Seele beteiligt. Weil mein eigener Körper und auch der Körper der Person, mit der ich das Bett teile, unendlich kostbar sind, darf ich die nicht einfach benutzen, sagt Paulus hier. Sex ohne seelische und verlässliche Verbindung heißt, den Körper zutiefst zu verachten – den eigenen und auch den anderen. Das ist eines Menschen unwürdig.

Es gibt dann aber auch noch eine sehr fromme Verachtung des Körpers. Wenn ich zum Beispiel denke, dass Tanzen in jeder Form etwas Schlechtes ist, dass gutes Essen nichts als Völlerei und eine Todsünde ist, dass Sex an sich ganz fürchterlich böse ist und dass ein Christ sich von allen diesen Dingen fernhalten solle. Das ist sehr oft so behauptet worden, aber es ist genauso falsch wie das, was die Korinther dachten. Wenn ich so denke, ist das eine genauso große Verachtung von Gottes Geschenk, das er mir mit meinem Körper gemacht hat. Ich darf Gott nicht nur mit meinem Körper preisen, sondern ich soll es sogar, sagt Paulus.

Ich preise Gott im Theater, wenn ich den Tänzern zuschaue und mich daran freue, was Gott in einem Körper angelegt hat. Welche Begabungen hier zum Vorschein kommen. Ich preise Gott, wenn ich selbst auf der Tanzfläche bin. Ich preise Gott, wenn ich mit meinem Mann schlafe. Ich preise Gott, wenn ich ein fein zubereitetes dreigängiges Menü genieße. Und ich preise Gott, wenn ich nach dem Sport jeden Muskel in mir spüre. Mein Körper gibt mir so viele Möglichkeiten, Gott zu preisen.
 

Autor/-in: Jutta Schierholz