"Es ist jetzt wichtig, die Geschwister zu unterstützen"
Die christliche Hilfsorganisation Compassion betreut 60.000 Kinder in Haiti. Wir haben mit Steve Volke, Leiter von Compassion Deutschland, gesprochen.
ERF.de: Herr Volke, die Hilfsorganisation Compassion hat in Haiti etliche Mitarbeiter und sehr viele Kinder, die in verschiedenen Hilfsprojekten unterstützt werden. Haben Sie bereits Informationen erhalten, wie es den Kindern und Mitarbeitern geht?
Steve Volke:Nein, wir haben Leute über die Dominikanische Republik hingeschickt mit Satellitentelefon und hoffen stündlich, dass es Kontakt gibt. Was aber irgendwie rausgekommen ist: Unser Büro steht noch. Das ist ein gutes Zeichen, denn dann sind sehr wahrscheinlich auch unsere Mitarbeiter nicht so sehr betroffen und man kann vom Büro aus operieren. Aber das müssen wir alles noch bestätigen und sehen, ob es tatsächlich so ist.
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| Kinder in Haiti: Besonders vom Leid betroffen. |
Compassion sorgt in Haiti für über 60.000 Kinder. Wo sind diese Kinder normalerweise untergebracht und wo sind sie jetzt?
Ganz viele leben in Port-au-Prince. Die Hauptstadt ist ja nach Medienberichten fast dem Erdboden gleich gemacht. Von daher wissen wir im Moment gar nicht, wie die Lage ist. Aber wir befürchten, dass viele Kinder gestorben sind. Das können auch Compassion Kinder sein.
Wie können Menschen Ihre Organisation unterstützen?
Ich habe gestern auf dem Flughafen eine Mail an alle Paten und Spender von Compassion Deutschland geschickt mit der Bitte, auf ein Sonderkonto zu spenden. Sobald wir wissen, wie Compassion auf Haiti die Hilfe anpackt, werden wir das Geld dorthin transferieren. Aber da ist ja im Grunde alles zusammengebrochen. Da gibt es kein Bankensystem mehr, wo man irgendetwas elektronisch übermitteln kann. Im Grunde genommen müssen Mitarbeiter von Compassion USA oder Freunde aus der Dominikanischen Republik das Geld persönlich vorbeibringen.
Was bedeutet die Katatrophe für die Zukunft Haitis, das oft als "Armenhaus Amerikas" bezeichnet wird?
Ich war selbst vor zwei Jahren in Haiti. Das war überhaupt der Anstoß, wie ich zu Compassion gekommen bin. Ich habe dort das Elend gesehen und konnte dann gar nicht anders, als meine berufliche Selbstständigkeit aufzugeben und für Compassion zu arbeiten. Denn das ist wirklich das Armenhaus der Welt. Das Schlimme ist: Wenn ein Land ohnehin schon so arm ist und dann passiert so etwas, haben die keinerlei Ressourcen, irgendwas zu machen. Und wenn dann von 20 Krankenhäusern, die es in der Hauptstadt gibt, 19 einstützen, dann ist einfach Chaos total.
Wie geht es jetzt weiter?
Es gibt eine starke Kirche auf Haiti und es ist jetzt wichtig, die Geschwister zu unterstützen. Sie müssen Hilfe bekommen, damit sie anderen helfen können.
Sie sind gerade auf einer internationalen Compassion-Tagung in Thailand. Wie gehen die Teilnehmer mit diesen schrecklichen Nachrichten um?
Die Tagung beginnt heute Abend und wir werden sicher jeden Abend für Haiti und für unsere Mitarbeiter beten. Ansonsten ist Compassion USA am nächsten dran und wird versuchen, da so schnell wie möglich ein Satellitentelefon reinzubringen, um die Lage überhaupt erst einmal einschätzen zu können. Die anderen Länder wie Kanada, England und Italien haben ähnlich wie Deutschland sofort Spendenaufrufe an alle Paten und Spender verschickt. Da ist schon sehr viel Geld zusammen gekommen. Und es geht natürlich darum, zu überlegen, wie die Hilfe vor Ort eingesetzt wird. Aber dazu müssen wir erst einmal Kontakt bekommen, um zu wissen, was da überhaupt gebraucht wird. Aber das ist schon ein Riesenschock.
Bild: Dieter Schütz / pixelio
Autor: Die Fragen stellte Michael Gerster
Leserbrief zu diesem Beitrag
- Von Karin Hornecker am 04.02.2010, 21:08 Uhr.
- Hallo, diesen Beitrag finde ich total spannend. Ich finde es gut, wenn Einheimische / Haitianer anderen in Not geratenen Haitianer bewegt von der Liebe Gotte helfen und das Evangelium dabei angemessen weitergeben können. Wie sieht die Lage jetzt in Haiti für Compassion aus? Besteht die Zentrale in Porte Prince noch? Kann Campassion ihre Leute und die Kinder versorgen - logistisch? Wie kann man helfen?
Danke für einen weiteren aktuelleren Bericht im voraus!
Mit gespannten Grüßen
Karin Hornecker



