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Rückblick auf den Willow Creek Leitungskongress

Glaubenswachstum fördern

Was hilft Menschen, im Glauben zu wachsen? Und wie kann man als christlicher Leiter oder Pastor dieses Wachstum fördern?

Das waren die zentralen Fragen des Willow-Creek-Leitungskongresses, der vergangene Woche vom 28.1.-30.1 in Karlsruhe stattgefunden hat. Und das sind auch die Fragen, die mich persönlich seit längerem bewegen. Es gibt eine Stelle in der Bibel, die mich immer wieder zum Nachdenken bringt - 1. Samuel 30,6, wo es am Ende des Verses heißt:

„David aber stärkte sich in dem HERRN, seinem Gott“

Dieser kleine Satz entscheidet über den weiteren Verlauf der dramatischen Ereignisse, die in diesem Kapitel berichtet werden. Diese kurze Aussage ist bezeichnend für die Beziehung, die David zu seinem Gott hat. In Krisensituationen, aber auch darüber hinaus, findet er bei Gott Rat, Trost, Stärke und Weisung. Doch wie genau stärkte sich David in Gott? Wie gelang es ihm, seine Beziehung zu Gott so zu pflegen, dass sie trägt – und das ein Leben lang? Und kann man das lernen?

Bibel, Engagement, Gemeinschaft

Bill Hybels, Gründer und leitender Pastor der Willow Creek Community Church, machte bereits in seinem Eingangsreferat deutlich, dass die Fragen nach dem persönlichen Glaubenswachstum zentral für christliche Leiter und Pastoren sind. Denn an diesen Fragen entscheidet sich, wie sehr Gemeinden wachsen und wie sehr sie auch die Kraft haben, Menschen zu erreichen und die Welt um sie herum zu verändern. In einer breit angelegten Studie fand man nämlich heraus, dass die Menschen, die stärksten Motoren einer Gemeinde sind, die am engsten mit Jesus verbunden sind und deren Alltag und Dienst in der Gemeinde aus dieser Beziehung heraus gestaltet wird.

In der Nacharbeit zu der Studie hat die Gemeindeleitung von Willow Creek drei Elemente ausgemacht, die helfen, das geistliche Wachstum und die Verbindung zu fördern: Das persönliche Bibelstudium, der Dienst für Schwache und Benachteiligte und persönlich gelebte Gemeinschaft.

Die menschliche Seele ist einzigartig

Wie wichtig es ist, jeden einzelnen Menschen bei der Frage nach dem Glaubenswachstum im Blick zu haben, machte John Ortberg deutlich, der selbst etliche Jahre als Pastor mit dem Schwerpunkt Predigt und Verkündigung bei Willow Creek mitarbeitete. Er wies darauf hin, der wichtigste Fokus eines christlichen Leiters die Seele des einzelnen Menschen sein müsse. Denn selbst die bedeutendsten Kunstwerke und monumentalsten Gebäude werden eines Tages Vergangenheit sein, die menschliche Seele aber existiert ewig. Einer der zentralen Verse in diesem Zusammenhang, so Ortberg, sei Kolosser 1,28: „Ihn [Christus] verkündigen wir, indem wir jeden Menschen ermahnen und jeden Menschen in aller Weisheit lehren, um jeden Menschen vor ihn zu stellen als Vollkommenen in Christus“

Im Scheitern wachsen

Dass bei allem Bemühen um geistliches Wachstum die Form nicht den Inhalt ersetzen darf, machte der Psychologe Dr. Larry Crabb in seinem Referat deutlich. Die meisten christlichen Aktivitäten fänden an der sichtbaren Oberfläche des Glaubens statt. Oft verborgen seien jedoch die Motive, die dieses Leben nähren. Und da diese Motive stark von der menschlichen Natur geprägt sind, führen sie oft dazu, dass sich das Christsein in einem ewigen Auf und Ab abspiele. Nach jedem Scheitern wird noch mehr gebetet, noch mehr Bibel gelesen, noch mehr gedient, nur um dann wieder erneut zu versagen. Dieser Kreislauf lässt sich nur dann durchbrechen, wenn man sich seinen eigenen Dunkelheiten, Sehnsüchten und Bedürfnissen stellt und sie zugibt - vor sich und vor Gott. Wer erkennt, dass er auch eigener Kraft – mit noch so viel frommen Aktivitäten – nicht wirklich weiterkommt, der findet plötzlich in der Aussage des Apostels Paulus (Römer 7,19) wieder: „Denn das Gute, das ich will, übe ich nicht aus, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.“

Und wer diesen Zerbruch zulässt und offen vor Gott und auch vor sich selbst eingesteht, der erlebt, dass aus Bedürfnis und Zerbruch Dankbarkeit und Gnade werden. Wer diesen Zwiespalt in sich zulässt und nicht immer wieder durch auch noch so fromme Aktivitäten unterdrückt, der wird Jesus ganz neu dankbar (Röm 7,24f) und erlebt trotz - und vielleicht gerade wegen - seines Scheiterns Glaubenswachstum als ein Wachsen in der Beziehung zu Jesus. 

(Foto: photocase.com © ti.Na)
 

Autor: Michael Gerster

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Leserbrief zu diesem Beitrag

Von Michael Gerster am 04.02.2010, 9:20 Uhr.
Wer ehrlich erkennt, dass er mit seinen Versuchen, Gott zu beeindrucken, gescheitert ist, der ist nicht fern vom Reich Gottes.
Von Markus am 03.02.2010, 20:08 Uhr.
Wir sind aus Gnade gerettet und nicht aus dem Gesetz des Erfolgs und der Selbstbeherrschung.
Menschen die Jesus Nachfolgen wollen im Glauben Werke tun - das prägt die Gemeinde und unsere Gesellschaft.
Von farkas am 03.02.2010, 16:38 Uhr.
"Scheitern" ist das "man" des Gewissens.
Mit der Aussage: "Das macht man so", will man das "ich" vermeiden. Es sollte heissen: "Das mache ich so". Wenn Christen nicht konkret werden wollen, verwenden sie gerne das "Scheitern" manchmal auch das "Fehler machen" als Entschuldigung. Dann haben sie allerdings die Tragweite des eigenen Verschuldens (Sünde) nicht erkannt, denn Gott vergibt ausschliesslich Schuld und keine Entschuldig.
mfg
Farkas
Von HeHe am 03.02.2010, 9:59 Uhr.
Ja, das SCheitern ist das Normalste in der Welt, denn wir sind alle Sünder, alle! Es ist dabei egal, ob ich es Scheitern oder Sünde nenne, Irrtum oder Fehlentscheidung, Lieblosigkeit oder sonstwie. Es ist alles Folge unseres Menschseins. Wie sagte Jesus: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Ohne mich könnt ihr nichts tun.
Das ist doch das Entscheidende, sich das immer wieder klar zu machen und umzukehren.
Und, Farkas, glauben Sie nicht, dass SCheitern nicht zur Umkehr und Busse führt. Mein SCheitern hat mich genau dahin geführt. Es war mein SCheitern, nicht mein Schaffen.
Von elisa5 am 03.02.2010, 9:49 Uhr.
Danke fuer die Auslegung! Widersprueche zulassen auch als Christ oder gerade als Christ, das hat was....Werde ich heute mit in den Tag hineinnehmen.Danke, das hilft!!
Von farkas am 03.02.2010, 8:44 Uhr.
"Im Scheitern wachsen"
Sorry, ich persönlich habe ein kleines Problem mit dem Begriff "Scheitern". Das ist heutzutage der "Joker"-Begriff (Platzhalter) der Christen, in dem aber auch wirklich Alles nach Bedarf hineingelegt werden kann. Eigene Schuld, Sünde, Verfehlungen, Irrtümer, Lügen, bewusste Fehlentscheidungen, Lieblosigkeiten aller Art, werden verharmlosend als "Scheitern" betitelt. Allerdings, wer "nur" gescheitert ist, kommt nie zur Busse und Umkehr, weil dann ist ja alles klar! Wir scheitern doch alle und das ist das Normalste auf der Welt, nicht Wahr?
mfg
Farkas